Die Sopranblockflöte ist wohl mit Abstand die am weitesten verbreitete Blockflöte. Kaum ein Mensch der nicht schon ein Instrument dieser Art in der Hand gehabt hat. Sie genießt mitunter einen erschreckend schlechten Ruf. Blötflocke oder Quälgeist sind noch die harmloseren Bezeichnungen für das Instrument. Der Grund liegt auf der Hand. Fast jeder musste mal irgendwann irgendwie auf der Blockflöte spielen oder es versuchen. Vielen ist dadurch klar geworden dass sie keinerlei musikalische Begabung besitzen und beließen es bei dem Versuch. Der uncoole Charakter hängt sehr mit dem inflationären Gebrauch als Einsteiger- und Schulklasseninstrument zusammen.

Dabei ist der richtige pädagogische Umgang mit dem Instrument gar nicht so schwer. Die Flöte erfordert keine besonderen Fertigkeiten und es lässt sich in der Regel sofort ein Ton auf der Flöte erzeugen. Die Griffe sind gerade bei der, immer noch weit verbreiteten, deutschen Griffweise sehr einfach, und es führt nur in seltenen Fällen zu Komplikationen aufgrund der motorischen Fähigkeiten. Dies auch vornehmlich bei sehr jungen Blockflötisten.

Tonumfang

Die Sopranblockflöte hat in der Regel einen Tonumfang von gut 2 Oktaven plus 2 Halbtöne. Vom c” bis zum d””. Es gibt auch Modelle mit 2 1/2 Oktaven, wie z.B. die Moeck Ehlert. Mit dem Tonumfang liegt der Blockflötensopran eine Oktave über dem Sopran der menschlichen Stimme. Höhere Tonlagen sind dann durch die Garkleinblockflöte zu erreichen.

Die Sopranblockflöte wird üblicherweise eine Oktave tiefer als sie klingt notiert. Dadurch sind die Noten einfach zu lesen.

Verbreitung und musikalische Verwendung

Die ersten Blockflöten wurden wahrscheinlich von Hirten geschnitzt. Die guten Leute hatten nicht viel zu tun, wenn die Schafe ruhig waren, und machten dann gerne nebenbei Musik. Im frühen Mittelalter entdeckten dann die Gaukler und Spielmänner die Blockflöte für sich. In der Zeit der Renaissance zog die Blockflöte in die Kapellen der Hof- und Adelskapellen ein. Hier wurde auch die Verbreitung der übrigen Instrumente aus der Familie der Blockflöten vorangetrieben.

Die Instrumente erhielten hier erstmals die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit. Im Barock hatte die Blockflöte ihre Hochzeit (im Sinne von hoch nicht heiraten). Der musikalische Anspruch war enorm gestiegen und die Instrumente wurden stark verändert und optimiert. Vor allem die Altblockflöte stach aus allen Instrumenten der Blockflötenfamilie hervor. Viele Komponisten schrieben Solowerke für die Altblockflöte, das Instrument war sehr populär zu der Zeit.

Im 18. Jahrhundert verdrängte die Querflöte die Blockflöte nach und nach. Der stärkere Klang war sehr durchsetztungsfähig und auch die Spieltechnik war für virtuoses Spiel angenehmer und in der Intonation besser. Die Blockflöte war zum Auslaufmodell geworden, welches nur noch von hartgesottenen Fans des Instruments gespielt wurde.

Der Engländer Arnold Dolmetsch trug dann wesentlich zu einer Renaissance der Blockflöte bei. Sein Streben nach dem originalen Klangbild der alten Meisterwerke aus Renaissance und Barock, trug dazu bei dass die Blockflöte wieder mehr Aufmerksamkeit erfuhr. In Deutschland wurde die Blockflöte vor allem durch die Entwicklung der “Deutschen Blockflöte” vor allem bei der Jugendmusikbewegung sehr populär. Diese einfacher zu greifenden Instrumente wurden vom Bärenreiter Verlag für ungefähr 4 Reichsmark verkauft. Der günstige Preis gepaart mit der einfachen Griffweise brachten der Blockflöte wieder viel Aufmerksamkeit und das Instrument fand so seinen festen Platz in der Musikpädagogik.

Neben dem festen Platz in Kindergärten, Grund- und Musikschulen gibt es immer wieder Interpreten, die das Instrument auch wieder ins künstlerische Rampenlicht rücken. Frans Brüggen, Grudrun Heyens oder zur Zeit Maurice Steger , verhelfen der Blockflöte immer wieder zu neuen Aufschwüngen in der klassischen Musikwelt. Diese Phasen ziehen auch immer einen Aufschwung in den Blockflötenmanufakturen wie Kueng, Moeck oder Kunath mit sich.

Material

Aus Grenadillholz werden auch Sopranblockflöten gefertigt
Grenadill – Eine Holzart die auch für Sopranblockflöten verwandt wird.

Die verwendeten Materialien haben große Auswirkungen auf Klang und Durchsetzungsvermögen einer Blockflöte. Am weitesten verbreitet ist die Herstellung der Blockflöten aus Ahorn oder Birne. Kirsch- und Buchsbaum sind auch gern verwendete Hölzer. Aber auch exotische Materialien wie Bubinga oder das bei der Klarinettenherstellung sehr beliebte Grenadill Holz finden, bei der Blockflötenherstellung, gerne Verwendung.

Bei den Schulflöten wird am häufigsten Ahorn oder auch Kunststoff verwendet. Firmen wie Yamaha oder Nuvo bauen mittlerweile sehr gut klingende Instrumente aus PVC. Diese haben den Vorteil sehr pflegeleicht und robust zu sein. Bieten aber nicht die klangliche Flexibilität einer guten Holzblockflöte und sind für ambitionierte Blockflötenspieler eher ungeeignet.

Beliebte Modelle

Allem voran muss man hier wohl die Moeck Flauto 1 Plus nennen, mit dem Kunststoff Kopf setzte die Firma Moeck ein mutiges und klares Zeichen. Die Flöte ist mittlerweile wohl eine der am meisten verkauften Blockflöten überhaupt. Ein weiteres sehr beliebtes Modell für ambitionierte Musiker aus dem Hause Moeck ist die Moeck 4291 Rottenburgh Sopran aus Ahorn. Hervorragende Verarbeitung, gute Intonation und ein klares sehr prägnantes Design paaren sich mit einem günstigen Preis und machen diese Blockflöte zu einem beliebten Instrument für Fortgeschrittene.

Mit der Modellreihe “Adris Traumflöte” hat die Firma Mollenhauer eine sehr erfolgreiche Serie für ambitionierte Blockflötisten herausgebracht. Aus der Schweiz stammt die von mir sehr geschätzte Küng Studio 1311, welche nicht nur durch das ansprechende Äußere besticht.

Moderne Sopranblockflöte - Harmonische Blockflöte
Klappensystem der Modernen Sopranblockflöte

Besondere Ausführungen der Sopranblockflöte

Die Firma Mollenhauer hat mit dem “Modern Soprano” eine Sopranblockflöte mit H-Fuss entwickelt. Diese ermöglicht einen echten Tonumfang vom hbis zum g4 und zusätzlichen Trillermöglichkeiten. Außerdem resultiert aus der vergrößerten Instrumentenlänge ein besonders ausgeprägtes, stabiles und ausgewogenes Klangbild. Die Moderne Sopranblockflöte mit H-Fuß zählt zu den sogenannten “harmonischen Blockflöten”, die sich durch eine veränderte Bauweise und einem Klappensystem, in harmonische Obertöne überblasen.

Werke für Sopranblockflöte

Videos zur Sopranblockflöte

Kein geringerer als Maurice Steger erklärt, im Video der Elbphilharmonie, sein Instrument. Die Blockflöte! Die renommierte Firma Mollenhauer zeigt wie Sie gebaut wird und Lucie Horsch beweist eindrucksvoll was mit der Sopranblockflöte alles möglich ist, hier im Beispiel des Flötenkonzertes (RV 443) von Antonio Vivaldi.

2021-03-04

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